Freitag, 9. Mai 2014

Uf der Hollen - Der große Trip

Anfang Mai AD 2014

Am ersten Mai sollte es regnen. Wir machten uns trotzdem auf den Weg.
Seit einiger Zeit schon wollten wir Sarah's Freunde besuchen, zwei Menschen, die nach einer großen Reise nicht mehr in den Rastern einer herkömmlichen Mietwohnungsumgebung leben wollten.
Sie leben auf einem Campingplatz.
Wir waren gespannt darauf, wie sich das auf Dauer anfühlt, wie anders das Leben, der Alltag, in dieser Wohnform ist.
Also fuhren wir los, um rechtzeitig vor zwölf Uhr anzukommen, denn nachher wäre niemand mehr für den Empfang da. Der Himmel war verhangen, aber es regnete kaum. Die Landschaft war wunderschön mit weichen hügeligen Konturen, sattem Grün der Felder, unterbrochen von gelben Raps und viel Wald. Streckenweise waren keine Häuser oder Höfe zu sehen, und das gab der Landschaft Weite.


Wir meldeten uns an bei Herrn Nebel, dem Platzwart. Der Name schien in dieser Gegend öfter vorzukommen, und wir sollten sehen, daß da womöglich ein Zusammenhang bestünde. Am nächsten Morgen hielt dann auch der Nebel Einzug, ein fast opakes Weiß, das den Platz in eine mystische Stille tauchte. Der Nebel hatte die Welt in die Ferne verrückt.
[Vielleicht gehörte sie da auch hin, denn auch ohne Nebel war die Welt schon verrückt.]




Bald schaute die Sonne wieder hervor - der groß Trip lag vor mir und wollte gelesen werden.
Der eine da vor mir in einem Buch, der andere innen im Erfahren.


Dies war auch eine Gelegenheit, die Markise gründlich einzuweihen. Doch zuerst soll der «Gartensitzplatz» bereit gemacht werden ...


... denn es ist Zeit für einen Schwatz mit den Nachbarn und für den Austausch von Erfahrungen.


Was wir sofort spürten, war die Freundlichkeit der hiesigen Bewohner, eine Nähe und Offenheit, als kenne man sich schon lange und eine lockere Hilfsbereitschaft. Die Menschen, mit denen wir sprachen,  wollten nicht mehr anders leben, nicht mehr zurück in ein Mehrfamilienhausraster. Irgendwie fand hier mehr Leben statt, und damit strahlte auch mehr Zufriedenheit aus.
Ich schnupperte eine ganze Woche auf diesem Stellplatz meinen Gefühlen für diese Lebensform nach. Rosie mußte am zweiten Tag wieder nach Zürich, so konnte ich allem in meiner Einsiedelei nachgehen.
Strukturelemente waren die Ernährung und die dazugehörige Entsorgung. Ansonsten war nichts als Gegenwart, oder Zeit für den großen Trip, der in dieser Beschreibung im Buch zwar extrem und zu Fuß gemacht wurde, aber doch einen Anstoß zu manch einer Kontemplation über den Trip als solches, und meinen / unserem Trip, dessen Form sich noch in mancherlei Wandlung befindet. So überliess ich die Wanderstiefel der Autorin - sie hatte ohnehin lauter Probleme damit - und genoss die Sonne von Kopf bis Fuß.


Die wunderschöne Landschaft auf dem Gempen lädt natürlich auch zum Spazieren ein. Diese kontinuierliche Gegenwart hat ja ihre eigene Dynamik. 


Die Natur mit ihren schier unendlichen Variationen von Grün tut allen Sinnen wohl, und manchmal fühlt man sich in gute alte Zeiten zurückversetzt - ein Anflug von Nostalgie, der wie hier um die Kapelle weht ...




Die Gedanken um neue Wohn- und Lebensformen kreisen noch. Was dabei herauskommt, wird sich auf weiteren Erfahrungen aufbauen. Eines ist aber schon klar: An diesem Ort mit diesen Menschen läßt es sich leben.



Am Mittwoch war es dann - wie vorausgesagt - vorbei mit der Sonne, der Regen zog wieder über's Land. So brach ich auf zu heimatlichen Gefilden.
Nach diesem Trip war es ein langsames Ankommen.
So langsam, daß es wohl bald wieder weiter geht - wohin? We will see ...